Der Hadelner Kanal ist ein Kanal, der durch das Geestland und die Samtgemeinde Land Hadeln führt und bis Bederkesa geht. Somit ist der Hadelner Kanal teil des Elbe-Weser-Schifffahrtsweg, welcher zudem aus dem Bederkesa-Geeste-Kanal und der Geeste besteht.

Zweck

Entwässerung

Der ursprüngliche und immer noch aktuelle Hauptzweck des Hadelner Kanals ist und bleibt die Entwässerung des Gebiets zwischen Bederkesa und Otterndorf. Ansonsten würde es im Sietland immer wieder zu schweren Überschwemmungen kommen. Früher kam es besonders im Sietland jeden Winter und bei starken Regenfällen im Sommer zu häufigen Überschwemmungen.

Schifffahrtsweg

Der Elbe-Weser-Schifffahrtsweg dient auch als Zweck der direkten Verbindung von Weser und Elbe. Ohne den Elbe-Weser-Schifffahrtsweg mussten früher Schiffe um Scharhörn und Neuwerk fahren, da das Wattenmeer mit seinen Untiefen im Gebiet zwischen der Weser- und Elbemündung unschiffbar ist. Für manche Schiffe war bei stürmischer See dieser Weg  nicht möglich.

Als Verlängerung nach dem Elbe-Schifffahrtsweg fahren viele über dem Nord-Ostseekanal (NOK) bei Brunsbüttel weiter zur Ostsee.

Hadelner Kanalschleuse

Hadelner Kanalschleuse Kanalseite

Zum Elbe-Weser-Schifffahrtsweg gehören drei Schleusen.

In Otterndorf befindet sich die Hadelner Kanalschleuse. Diese ist ganzjährig geöffnet. Sofern genug Wasser unterm Boot ist, kommt man jederzeit durch die Schleuse; ob Ebbe oder Flut ist, ist dabei unabhängig. Die Schleuse in Otterndorf wird dabei von freundlichen Mitarbeitern der Schleuse bedient. Hierbei werden die Schiffe an Stangen an den Wänden festgebunden.

Zweck der Hadelner Kanalschleuse ist es, bei unterschiedlichen Pegelständen von Elbe und Hadelner Kanal, eine Überfahrt ins andere Gewässer zu ermöglichen. Hierbei wird ein Bereich der Schleuse mit ein oder mehreren Schiffen oder Booten abgeriegelt und von der Wasserhöhe dem anderen Gewässer angepasst.

Die Hadler Kanalschleuse hat zudem den Zweck, Teil des Deiches zu sein. Auch wenn der Deich normalerweise aus Erdschichten besteht, verhindert die Schleuse mit dem Schleusentor auch das durchdringen von Wasser bei Flut und sogar Sturmfluten.

Die Hadelner Kanalschleuse besitzt dabei drei Tore. Zwei Tore dienen zur Deichsicherheit vor und hinter dem Deich. Jede Torhälfte wiegt dabei 25 Tonnen. Das kleinere Binnenhaupt dient zum Entwässern.

Am 11. Juli 2022 wurde die neue Hadelner Kanalschleuse eröffnet. Der Neubau der Schleuse kostete 32 Millionen Euro und ist das größte Küstenschutzprojekt der letzten Jahre in Niedersachsen. Der schon seit 20 Jahren im Dienst befindliche Thomas Stüven hat vom Bau über 30.000 Fotos gemacht und somit das Projekt gut dokumentiert.

Leider kam es beim Neubau zu Unfällen. Im Februar 2020 kam es zu einem schweren Arbeitsunfall mit jeweils zwei 700 Kilogramm schweren Stahlstangen, die nach Angaben der Polizei, auf einen 43 Jahre alten Arbeiter aus Celle fielen. Der Mann wurde anschließend in eine Klinik geflogen.

Am Mittwoch, dem 12.01.2022 um 07:10 Uhr, kam es dann zu einem Todesfall auf der Baustelle. Dabei stürzte ein 53-jähriger 15m in den Schleusenschacht.

Die erste Schleuse wurde 1853 fertiggestellt. Das 160 Jahre alte Tunnelgewölbe bekam nach der Deicherhöhung 1985 Risse, so dass eine weitere Erhöhung des Deiches nicht mehr möglich war. Aus diesem Grund wurde die Schleuse von 2019 bis 2022 vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz durch ein Neubau ersetzt.

Zum sielen auch bei länger andauernden hohen Wasserständen der Elbe, wurde 1956 zwischen dem Hadelner Kanal und der Medem ein zusätzlicher Kanal zum Schöpfwerk Otterndorf gebaut.

Öffnungszeiten

01. April – 31. Oktober

Montag – Samstag: 08:30 – 16:00 Uhr
Sonntag und Feiertage: 09:00 – 14:00 Uhr

01. November – 31. März

Montag – Freitag: 09:00 – 12:00 Uhr

Sonderschleusungen sind eine Stunde vor und nach der Schleusenzeit möglich. Der Schiffsverkehr hat aber keinen Anspruch darauf.

(Stand Juli 2022)

Telefon

NDR Doku zum Neubau

Schleusentor Innenseite

Hadelner Kanalschleuse Schleusentor Innenseite

Kanalschleuse Elbseite

Hadelner Kanalschleuse Elbseite

Weitere Schleusen

Zusätzlich zur Hadelner Kanalschleuse gibt es in Lintig im Geestland die Schleuse Lintig. Seit 1997 wird die Schleuse mit automatischer Selbstbedienung betrieben.

Die dritte Schleuse ist in Bremerhaven. Die Schiffdorfer Stauschleuse vor Bremerhaven ist seit dem Bestehen des Bremerhavener Tidesperrwerks durchgehend geöffnet. Bei den Geeste-Schleifen in Bremerhaven befindet sich das Bremerhavener Tidesperrwerk, welches täglich schleust – jeweils zweit Stunden vor und nach dem Tidehochwasser. Vom Tidesperrwerk bis zur Mündung ist der Wasserstand von den Gezeiten abhängig.

Kurz vor der Mündung der Geeste in Bremerhaven befindet sich das 1961 fertiggestellte Sturmflutsperrwerk. Es ist ein kombiniertes Wasserbauwerk, bestehend aus der Kennedybrücke – einer Klappbrücke – und dem Sturmflutsperrwerk. Bei Pegelständen über 7 m wird das Sturmflutsperrwerk geschlossen.

Touren entlang des Kanals

Touren sind auf verschiedene Art und Weisen auf dem Hadelner Kanal möglich. Entweder per Fahrrad am Ufer entlang, oder mit einem Floß direkt auf dem Wasser.

Floßtouren

Wer Lust hat, kann auch mit einem motorisiertem Floß den Hadelner Kanal entlang fahren. Touren von 1 bis 3 Tagen sind mit Einweisung und einer Kaution möglich.

Mit dem Fahrrad

Überall entlang des Hadelner Kanals befinden sich Wege und Straßen, bei denen man gut mit dem Fahrrad entlang fahren kann.

Zwischen Otterndorf und Osterbruch befindet sich ein schöner Fahrradweg entlang des Hadelner Kanals. Bei der Hälfte der Strecke, bei der Eisenbahnbrücke, befindet sich zudem ein kleiner Überdachter Rastplatz mit Bootsanleger. Kurz danach führt der Weg direkt in Osterbruch rein. Wer weiter dem Kanal folgen will, muss dann in Osterbruch link Richtung Bülkau weiterfahren. Direkt nach der Überquerung des Hadelner Kanals, kann man direkt am Kanal weiterfahren. Von Ihlienworth an ist eine Tour auch an beiden Uferseiten der Kanals möglich.

Eine Fahrradtour von Otterndorf bis Bederkesa entlang des Hadelner Kanals dauert, je nach eigener Fitness und Fahrradtyp, etwa 100 Minuten.

Sport

Ruderregatta Otterndorf 2018

Ruderregatta

Jedes Jahr im Mai findet in Otterndorf am Kanal die Ruderregatta statt. Hier kommen Teilnehmer schon etwas weiter her, u.a. Niederlande.

Die Ruderregatta in Otterndorf findet bei der Ruderabteilung des TSV Otterndorf, am Kanal Höhe Beufleth, etwa knapp 1 km von der Schleuse entfernt, statt. Beste Fahrt dahin ist über die B73, nahe Ortseinfahrt Richtung Hamburg, rechts Richtung Elbe rein. Rechts von der Robbe geht es dann über Beufleth zum Kanal und zur Ruderregatta.

Informationen zum Ruderangebot des TSV Otterndorf bekommst Du beim TSV Otterndorf.

Angeln

Folgende Fische können im Hadelner Kanal geangelt werden: Aal, Hecht, Barsch, Zander, Brasse, Güster, Rotauge, bisweilen Meerforelle, Chance auf starke Rapfen

Weitere Informationen und die Möglichkeit für  den Online-Kauf von Anglerkarten bekommt man auch beim Anglerverband Niedersachsen.

Anglerverband Niedersachsen

Weitere Informationen zum Angeln in Otterndorf findest du auf dieser Seite.

Angeln in Otterndorf

Geschichte

Erste Aufzeichnungen zwischen Sachsen-Lauenburg, dem Erzbistum Bremen und den Hadlern stammen aus dem Jahr 1542. Bereits von 1608 bis 1609 wurde von der Stadt Bremen ein Teilabschnitt gegraben, welches aber auf Druck des Erzbischofs von Bremen wieder zugeschüttet. 1661 versuchten man das unter schwedischer Herrschaft sowie 1768 – 1773 unter hannöverscher Regie. Weitere Versuche gab es unter schwedischer Regie 1661, sowie unter hannöverscher 1768 bis 1773. Von 1806 bis 1811 wurde unter französischer Herrschaft ein Plan ausgearbeitet die Oste mit der Geeste zu verbinden; dieser Plan wurde nie realisiert.

Hauptmann Böse aus Bederkesa machte sich anfangs des 19. Jahrhundert für ein großes Entwässerungsprojekt, den Hadelner Kanal, stark. Von 1852 – 1854 bauten 1150 Männer den Hadelner Kanal und bewegten dabei 1 Million Kubikmeter Erde. Dadurch wurden die häufigen Überschwemmungen, gerade im Sietland, eingedämmt. 1859 kam mit der Eröffnung des Geeste-Weser-Kanals der zweite Teil des Elbe-Weser-Schifffahrtweges dazu. Damit entstand ein direkter Weg von der Elbe zur Weser nach Bremerhaven welcher für den Frachtverkehr vorgesehen war.

Zwischen 1957 und 1965 wurde der Hadelner Kanal erheblich vertieft und auf eine Sohlbreite von 14 Metern ausgebaut.

Ende der 1960er Jahre war die verkehrsstärkste Zeit durch die Berufsschifffahrt, ging ab 1973 zurück und findet hier heute praktisch nicht mehr statt.  Heute nutzen nur noch Freizeitschifffahrer die Strecke.